Tierische Charakterköpfe – Gut gebrüllt, Simba!

#Südafrika, #Löwenpascha
Löwenpascha mit Prachtmähne ©Regina Fischer-Cohen.jpg

Der König der Löwen lebt. Und zwar hier bei uns, in bester Hamburger Hafenlage – schon seit über fünfzehn Jahren.

Sorry – aber als stolze Hanseatin sei es mir erlaubt, dies kurz zur erwähnen. Immerhin sind bis zum heutigen Tag bereits mehr als 11 Mio. Besucher in meine Heimatstadt gereist, um mit Disneys >König der Löwen< ins märchenhafte Afrika einzutauchen. Ich hab´s natürlich auch getan. Vier Mal sogar, was alles besagt, weil ich eigentlich kein großer Musical-Fan bin. Aber ich liiiebe Afrika. Ganz besonders Südafrika, und wenn ein Löwe brüllt, zieht mich das immer wieder magisch an.

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South-Africa, Löwinnen mit ihrem Nachwuchs ©Regina-Fischer-Cohen

Was macht den Leo zum König der Tiere?

Es ist dieses gewaltige, alles durchdringende Brüllen, dieses OUArrrrrr, das dem Löwen seinen Titel als König der Tiere eingebracht hat. Nicht etwa seine Stärke.  Jeder ausgewachsene Elefant könnte ihn mit einem einzigen Rüsselschlag außer Gefecht setzen. Und Kapbüffel, die so richtig in Rage sind, kicken ihn mit ihren Hörnern wie einen Baseball durch die Luft. Auf einer meiner Touren durch den südafrikanischen Kalahari Transfrontier Park konnte ich das bizarre Spiel mit eigenen Augen verfolgen.

Und wie steht´s mit Leos Tapferkeit? Auch damit kann er nicht punkten. Man sagt den Hyänen zwar nach, dass sie feige seien, aber das ist ein großer Irrtum. Sie sind viel tapferer als die Löwen. Vor allem, wenn es um ihre Jungen geht, kämpfen sie gnadenlos bis zum eigenen Untergang. Und mit ihrer Intelligenz sind sie den Löwen ebenfalls weit voraus. Das war´s dann allerdings auch. Optisch macht ein Löwe natürlich viel mehr her. Besonders die Männchen mit ihrer imposanten Mähne, die im siebten Lebensjahr zur vollen Pracht herangewachsen ist und farblich von hellbraun bis fast schwarz aussehen kann.

#South Africa, #Kalahari Tranfrintier Park, #lions in love

Löwenliebe im Kalahari Transfrontier Park / Südafrika ©Regina Fischer-Cohen

Er hat die Haare schön… und lässt die Frauen jagen

So ein auffälliger Kopfschmuck kommt bei den Ladys selbstverständlich gut an, und er beeindruckt auch potentielle Rivalen. Bei der Jagd wirkt er dagegen eher kontraproduktiv. Insofern hat die Natur es klug eingerichtet, dass die Frauen des Paschas allein für die Nahrungsbeschaffung zuständig sind. Und sie machen das sehr geschickt. Im Gegensatz zu den meisten Safari-Fans, bin ich absolut nicht wild darauf, einen ‚Kill‘ zu erleben. Mir tun die Beutetiere jedes Mal viel zu leid. Aber wenn Löwinnen jagen, ist das schon faszinierend. Gazellen stehen ganz oben auf ihrem Speiseplan. Die potentiellen Steaks flitzen ihren Jägerinnen allerdings mit bis zu 88km/h vor der Nase weg und schlagen dann auch noch Haken. Eine Löwin, die es gerade mal auf 55km/h bringt, hat somit nicht die geringste Chance, ihr Opfer über längere Strecken zu verfolgen. Deshalb jagen Löwinnen immer im Verbund. Geschickt teilt sich die Gruppe dabei auf. Während sich ein paar der Weibchen flach hinter Gräsern auf die Lauer legen, hetzen die anderen das Beutetier genau dorthin.

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Löwinnen versammeln sich zur gemeinsamen Jagd ©Regina-Fischer-Cohen

Ein Macho will doch auch nur überleben

Safari-Neulinge staunen meist nicht schlecht, wenn es nach dem Überraschungsangriff und finalen Todeskuss ans Fressen geht. Denn wie aus dem Nichts heraus, taucht fast immer plötzlich der Pascha auf. Voll der Macho, schlägt er sich als Erster den Magen voll. Die Weibchen und der gemeinsame Nachwuchs begnügen sich brav mit dem Rest.  Schön blöd, könnte man meinen. Ganz uneigennützig ist das Verhalten der Löwinnen aber nicht. Denn nur wenn der Rudelführer stark ist, kann er seinen Clan gegen Eindringlinge verteidigen. Stirbt er im Kampf oder verliert er ihn gegen einen jüngeren Rivalen, wird der neue Pascha die Jungtiere des Alten meist töten. Für ihn ist es wichtig, schnellstmöglich eigenen Nachwuchs zu zeugen, um damit das Überleben des eigenen Erbguts zu sichern.

Das grausame Geschäft mit den Löwenbabys ©Regina Fischer-Cohen

Löwenbabys – so niedlich! – so grausam manchmal ihr Schicksal! ©Regina Fischer-Cohen

Freud und Leid eines Paschas

Wenn´s um Sex geht, zeigt sich wieder, weshalb der Löwe im Tierreich als King gilt. Denn er ist ein echter Don Juan. Bis zu vierzig Mal kann er sich am Tag paaren, und das auch noch tagelang. Gut – der einzelne Akt dauert wenige Minuten, manchmal sogar nur Sekunden. Kein Grund also, dass Mann neidisch wird. Zumal der Spaß für Leo mit zunehmenden Alter auch zur Qual werden kann, denn Löwinnen sind gesellig.  Großmütter, Mütter, Schwestern, Tanten und Cousinen… Oft bleiben sie ihr Leben lang im Rudel zusammen. So wächst der Clan schnell auf bis zu vierzig Tiere heran. Und selbstverständlich erwartet jedes der Weibchen, dass der Pascha sie glücklich macht. Die anderen Männchen dürfen da nicht ran. Mit Einsetzen der Geschlechtsreife werden sie verstoßen und müssen als Vagabunden durchs Land ziehen, bis es ihnen gelingt, ein eigenes Rudel zu erobern.

Löwenmama mit Jungen

Schmusen mit Mama ist erlaubt! – aber Löwenbabys sind keine Kuscheltiere ©Regina Fischer-Cohen

Löwenbabys – beobachten, ja! Kuscheln verboten!

Löwenbabys in freier Wildbahn vors Objektiv zu bekommen, ist für jeden Touristen natürlich das höchste der Gefühle. Eine schwangere Löwin bringt ihre Jungen nach 3 – 4 Monaten Tragzeit an einem versteckten Ort zur Welt. Erst wenn die Kleinen mit 6 – 8 Wochen robust  genug sind, kehrt Mama stolz mit ihnen  zum Rudel zurück. Dort wird die junge Familie dann liebevoll von den anderen aufgenommen und umsorgt. Es ist ein Anblick, der mein Herz jedes Mal aufs Neue tief berührt. Als Kind habe ich mir immer gewünscht, selbst mal mit Löwenbabys zu kuscheln. Heute weiß ich, wie viel Leid dieser Wunsch den Tierbabys bringt. Wenn euch die Wildkätzchen wirklich am Herzen liegen, besucht bitte keine Reservate, die euch hautnahen Kontakt mit ihnen versprechen. Denn im Nachhinein führt das fast immer zum Tod dieser Löwen (Infos dazu hier).

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