Handgepäckkontrolle – der ganz normale Wahnsinn

Sicherheitskontrolle am Flughafen - Stress vorm Abflug ©Regina Fischer-Cohen

Übers Autoradio ertönt eine Verkehrsfunkmeldung: »Stau im Elbtunnel! Halten Sie die Rettungsgasse frei, und rechnen Sie mit mindestens einer Stunde Verzögerung Herbert, der im Schritttempo durch den Tunnel fährt,  wundert sich.  Gerade eben hatte er im Vorbeirollen an der  tiefsten Stelle des Bauwerks noch problemlos ein Selfie schießen können und nun das. „Wieso Stau? Wovon reden die, Inge? Vor uns ist doch alles frei“, wendet er sich irritiert an seine Frau.

Als ich vor kurzem am Hamburger Flughafen mal wieder das große Chaos erlebt habe, musste ich unwillkürlich an den Witz denken. Vorn in der Eingangshalle des Terminals lief an den Check-in-Schaltern noch alles ganz normal ab. Doch vor den Zugängen zur Gepäckkontrolle hatte sich eine riesige Menschenmenge aufgestaut. Nichts ging mehr. Und das, an einem ganz gewöhnlichen Dienstagvormittag. Also, keine Stoßzeit für Berufspendler. Keine Schulferien. Kein Streik. Nichts. Dennoch herrschte mehr als eine halbe Stunde lang Totalstillstand, und man fragte sich entnervt, was wohl der Grund dafür sein könne.

Nach weiteren fünfundvierzig Minuten im Stopp-and-Go war ich endlich bis zur Gepäckkontrolle vorgedrungen. Das Erstaunliche: auch hier schien alles wie geschmiert zu laufen. Sämtliche  Transportbänder waren in Betrieb, und Personal war mehr als ausreichend vorhanden. Wo, bitte, lag jetzt das Problem? »No, gugg  se doch on, de Dämlogs, de hior plötzlisch onfongn, nervös in ihrn Gelummbe rumzuwurschdln, weil sisch gezeischt hat, dass se irschendwas Verboudnes dabei homn« , klärte einer  der Luftsicherheitsassistenten mich in schönster sächsischer Mundart auf. Müde lächelnd nickte er dabei mit dem Kopf zum  Gepäckband gegenüber, wo zwei Passagiere gerade dabei waren, ihre Bordkoffer unter den wachsamen Augen eines Security-Mannes zu durchwühlen.

„Haben Sie Flüssigkeiten dabei? Laptop? Kamera? Andere elektronische Geräte?“

Jeder, der nach dem 11.September 2001 schon einmal ein Flugzeug bestiegen hat, kennt das: Kein Zutritt zum Abflugbereich eines Flughafens, bevor eine penible Handtaschenkontrolle erfolgt ist. Wie Schlachtvieh wird jeder Passagier dann auch noch durch einen Metalldetektorbogen oder Körperscanner geschleust. Und wenn´s ganz dumm läuft, wirst du danach zu einer Leibesvisitation herausgefischt, bei der man dich bis an die intimsten Körperstellen befummelt.

Das Ganze nervt gewaltig, weil´s oft wie Schikane erscheint und hart am Persönlichkeitsrecht schrammt. Zudem kostet es wertvolle Zeit. Andererseits möchte man natürlich auch nicht erst während des Flugs entdecken, dass der Sitznachbar unter der lässig weiten Hose einen Sprengstoffgürtel trägt. Hilft also nichts. Egal wie man zu den Kontrollen stehen mag – wir werden uns damit abfinden müssen. Für jemanden wie mich, der beruflich häufig fliegt, ist das lästige Prozedere schon irgendwie zur Routine geworden. Dachte ich. Bis der nette Security Typ meineTasche nach dem Röntgen vom Band zog und mich zu sich winkte.

»Bidde öffnen« , bat er müde lächelnd. Und da sah ich sie auch schon aus der Tiefe meiner Bordtasche hervorleuchten: meine pinkfarbene Mehrwegtrinkflasche. Mit einem letzten aufgesparten Schluck Wasser hatte ich sie vorhin hineingeworfen. Nur für eine Sekunde, weil mein Handy geklingelt hat. Wie dumm kann es manchmal bloß laufen?

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