9. Galaktische Schönheit – Antelope Canyon & Lake Powell

Antelope Canyon ©Regina Fischer-Cohen

Mit dem Antelope Canyon in Arizona verbindet mich eine ganz besondere Geschichte: Als ich 1984 mit meinem damaligen Freund und späteren Ehemann in der Kleinstadt Page Station machte, freundeten wir uns mit einem jungen Navajo Indianer an. Tags darauf hatte er Pferde organisiert, um uns zu einer abgelegenen Klamm zu führen.

Heimlich, weil – wie er sagte, dieser Slot Canyon seinem Volk heilig war. Es sollte eine der abenteuerlichsten und magischsten Touren unseres Lebens werden, von der es kein einziges Foto gibt, denn eine Kamera durften wir nicht mitnehmen. Niemand, so beschwor uns unser Freund damals, dürfe je von unserem Besuch dort erfahren. Da ich in jenen Tagen ausschließlich als Mode- und Werbefotografin tätig war, brachte mich dieses Zugeständnis zum Glück nicht in einen Gewissenskonflikt.

Anfang der 90iger Jahre erschienen in den US-Magazinen dann aber doch die ersten Fotos von dieser  märchenhaft ausgewaschenen Klamm, die durch das einfallende Sonnenlicht in den schönsten Farben schillert. Heute ist der Antelope Canyon  eine weltberühmte Touristenattraktion. Hunderte von Besuchern drängen sich täglich durch die enge, sich windende Schlucht, die 1997 zum Navajo Tribal Park erklärt wurde. Vor allem Fotografen zieht es dort hin. Auch ich war noch einmal da, was ich allerdings bitter bereut habe, denn beim Kampf um die besten Bilder bricht so viel Lärm und Hektik aus, dass von der Magie dieses Ortes kaum noch etwas zu spüren ist.  Nichtsdestotrotz möchte ich euch die Besichtigung wärmstens empfehlen. Die Schönheit der Schlucht lässt sich kaum in Worte fassen. Man muss sie einfach gesehen haben.

Für mich als Kind von der Waterkant gibt es in unmittelbarer Nähe des Antelope Canyon noch ein faszinierendes Ziel: die Wasserwelt am Lake Powell.

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Lake Powell mit Glen Canyon  National Recreation Area  © Regina Fischer-Cohen

Nur einen Steinwurf weiter nördlich über den Highway 89 wird der Colorado durch den Glen Canyon Damm zum zweitgrößten Wasserreservoir der USA aufgestaut. Taucht man am Hafen von Wahweap mit dem Boot in die Szenerie ein, ist es, als wäre man auf einem fernen Planeten gelandet. So karg und bizarr zeigt sich dieser Landstrich – faszinierend und gespenstisch zugleich. Für die US-Amerikaner ist es ein beliebtes Erholungsgebiet. Entsprechend schnell sind die wenigen Hotels und Campingplätze vor Ort in der Saison ausgebucht. Am schönsten lässt sich die Region natürlich vom Hausboot aus erkunden. Leider ist das kein günstiger Spaß.  Eine schöne Alternative bieten die Bootstagestouren, die ihr vor Ort buchen könnt (Infos s. u.).

Zurück auf dem Highway 89 solltet ihr unbedingt noch einen Fotostopp einplanen, bevor es weiter zum Grand Canyon geht. Nur wenige Kilometer südlich der Kleinstadt Page windet sich der Colorado um ein Felsmassiv, es ist der sogenannte Horseshoe-Bend. Rechts vom Highway befindet sich ein großer Parkplatz. Von dort ist der Aussichtspunkt zu Fuß in 15 – 20 Minuten erreicht. Und wer wollte sich diesen Anblick entgehen lassen?

Horseshoe Bend, © Arizona Office of Tourism

Horseshoe Bend, © Arizona Office of Tourism

Info: http://www.visitarizona.com

Antelope Canyon – Navajo Parks and Recreation   Tel.: +01-928- 871 6636

www.navajonationparks.org

Der Antelope Canyon liegt im Reservat der Navajo Indianer. Das Kassenhäuschen befindet sich auf einem kleinen Parkplatz unweit des Kohlekraftwerks östlich von Page. In Page findet man mehrere Tour-Veranstalter.

Es gibt 2 Canyonseiten mit separaten Zugängen: den Lower Canyon, »The Corcscrew« – und den Upper Canyon, »The Crack«. Beide sind sehenswert. Wenn ihr euch aber für einen entscheiden müsst, dann ist es der Upper Canyon, weil sich dort von Mitte Mai bis Anfang September sensationelle Lichteffekte zeigen.

Eintritt: US$ 8 pro Person/ pro Canyonseite. Hinzu kommt die Gebühr für die obligatorische Führung, d. h., um die US$ 40 p. P. (Kinder US$ 20) für die einfache Besichtigungstour. Start ab 8:45 Uhr,  Dauer 1 Stunde, letzte Tour: 16 Uhr. Dazu werden professionelle Fototouren ab 11 Uhr angeboten. Sie dauern 2 Stunden und kosten um US$ 120. Mein Tipp: Auch wenn´s schwer fällt – nehmt keine teuren Kameras  mit oder packt sie zumindest in ein Unterwassergehäuse. Der Wind wirbelt im Canyon viel Staub auf, und für den Fotoeffekt werfen die Guides zusätzlich Sand in die Luft. Das sieht auf den Bildern zwar toll aus, aber die Körnchen dringen in die Ritzen der Kameras ein und wirken dort wie Sandpapier. Als Notlösung könnt ihr Kamera und Objektiv auch in Klarsichtfolie einwickeln.  Da die Linse natürlich freibleiben und auch das Fokkussiren noch funktionieren muss, ist es aber kein perfekter Schutz.

Info Lake Powell/ Glen Canyon National Recrational Area Tel.: +1-928-608 6200

https://www.nps.gov/glca/planyourvisit/lake-powell-marinas.htm

Eintritt: pro Person US$ 12

pro Pkw  US$ 25

Motorrad US$ 20

Camping: keine Reservierung

»Lees Ferry Campground US$ 18 pro Nacht/Platz – keine Hook-ups
»Stanton Creek, Hite, Dirty Devil and Farley Primitive Camping Areas«  US$ 12 pro Nacht/Pkw
»Lone Rock Beach«  US$ 14 pro Nacht/Pkw

Ein Kurzurlaub auf dem Hausboot wird hier zum Luxus –  für 3 Tage/ 2 Nächte zahlt man zwischen US$ 1.900 und 4.000  + Benzin + Versicherung  (http://www.lakepowell.com/houseboating/wahweap-marina-houseboat-rentals-az/).

Hier geht´s weiter zum Grand Canyon Nationalpark

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4 Kommentare

  1. Wow, man spürt förmlich, wie magisch diese Orte sind. Wirklich einmalig! Ich kriege richtig Fernweh. Wär so gerne dort!

    • Geht mir genauso, Helga. Vielleicht schaffst du es ja, irgendwann einmal dorthin zu reisen. Die Planung und Organisation dieses Roadtrips ist gar nicht so schwer. Ich werde in Kürze auch noch ein paar Tipps dazu auf unserer Seite veröffentlichen.

  2. Jens Pastel

    Hallo,
    nachdem ich nun mehrere Male in beide Canyons war, möchte ich besonders den Lower Canyon empfehlen. Der Upper Canyon hat wohl die bekannteren Motive wie Meeting Bears oder Shark. Doch im Lower Canyon kann man, wenn man den freundlichen, mit der Gitarre bestückten Scout abgeschüttelt hat, nahezu allein den Canyon erkunden. Dort gibt es dann kein Zeitlimit. Auch die Menge der Besucher nimmt stetig ab, je tiefer man in den Canyon abtaucht. Und auch die Bilder sind dann, besonders in der Mittagszeit nahezu ebenso spektakulär.
    Ein weiteres sehr lohnendes Ziel ist der Buckskin Gulch einige Meilen westlich von Page. Dort kann man dann ebenso herrlich in die Welt der Slot-Canyons untertauchen.
    Jens aus dem Wald der Sachsen

    • Ganz lieben Dank für die Info, Jens! Eigentlich sollten wir beide das jetzt wirklich für uns behalten, sonst wird es dort bald genauso trubelig zugehen wie im Upper Canyon. Andererseits wäre es wohl nicht fair, den Lesern dieser Seite einen so tollen Tipp vorzuenthalten. Da ist er wieder, der ständige innere Konflikt eines Reisejournalisten 😉
      Zum „tiefen Abtauchen in die Slot-Canyons“ möchte ich an dieser Stelle aber unbedingt noch einmal einen Warnhinweis geben: Es kann in der Region aus sprichwörtlich heiterem Himmel zu extrem gefährlichen Sturzfluten kommen. Innerhalb von Sekunden steigt dann der Wasserpegel in den Slots auf mehrere Meter an, und es sind bereits Touristen ertrunken. Deshalb unbedingt vorher beim Guide genau nachfragen, wie die Wetterlage ist und auch Bescheid sagen, dass man sich von der Gruppe entfernt. Wenn etwas schief läuft, wird man sonst u. U. erst nach Tagen gefunden, denn Handyempfang gibt es dort in der Regel nicht.

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