Natur und Fun im Fränkischen Seenland

Es ist, als hätte jemand das Kommando „Ferngläser raus“ gegeben. Wir alle schauen über den Altmühlsee um einen Blick auf dessen Bewohner zu erhaschen. Die ersten Erfolgsmeldungen lassen nicht lange auf sich warten.

„Da ein Silberreiher!“ – „Wo?“ – „Am rechten Ufer, kurz vor dem Busch.“ Ähnliche Dialoge folgen, nur die Protagonisten sind andere: Watvogel, Graureiher, Graugans, Haubentaucher, Storch. Und dann betritt noch eine bezaubernde Schönheit die Bühne: Ein Seidenreiher gibt sich die Ehre. Hinter uns im dichten Grün der Büsche und vor uns im Schilf summt und zirpt und zwitschert es. Lärm in seiner schönsten Weise.

Ein Muss bei einer Entdeckungstour auf der Vogelinsel: das Fernglas

Vogelparadies im Altmühlsee

Wir sind auf der Vogelinsel im Altmühlsee und jetzt im Sommer ist in den Kanälen und auf dem See sogar eher wenig los. Im Frühjahr und im Herbst machen hier zehntausende Zugvögel Station, hat uns Martina Widuch vom Landesbund für Vogelschutz vor dem Start unserer kleinen Exkursion erzählt. Die Hälfte des Sees steht unter Naturschutz, über 300 verschiedene Arten wurden bisher gesichtet.

Dank der Brücken kommen wir trockenen Fußes durch das Wasservogelparadies

Es ist ein kleines Paradies und es wurde vom Menschen geschaffen. Wie das gesamte Fränkische Seenland. Ich bin ein bisschen erleichert, das zu hören. Bedeutet es doch, dass wir nicht nur zerstören. Wir können auch neue Naturräume hervorbringen. Doch auch hier gab es natürlich massive Eingriffe in die Landschaft. Dort wo jetzt der Altmühlsee ist, gab es zum Beispiel früher ein großes Wiesenfeuchtgebiet, erläutert uns Martina Widuch. Mit dem Vogelschutzgebiet, sagt die Leiterin der Umweltstation, gebe es jedoch einen würdigen Ausgleich.

Insgesamt sieben Seen wurden hier auf der Europäischen Wasserscheide künstlich angelegt: Neben dem Altmühlsee der Große Brombachsee, Kleine Brombachsee, Igelsbachsee, Rothsee, Hahnenkammsee und Dennenloher See. Der Gedanke war, die Region so während einer Trockenperiode vor Wassermangel zu schützen. Jährlich werden nun 150 Millionen Kubikmeter Wasser aus der Altmühl und der Donau durch die Seen nach Franken geleitet.

Frankens neue Tourismusregion

Dieses Fränkische Seenland, wie es heute existiert, hat einen Vater: den Politiker Ernst Lechner. Ihm war es wichtig, das Augenmerk nicht nur auf die Wasserwirtschaft zu legen. Auch das damalige „Armenhaus“ Bayerns sollte profitieren. Und zwar durch Tourismus. Ein wenig schlitzohrig hat er 1970 seinen Antrag in der letzten Landtagssitzung vor der Sommerpause ein- und durchgebracht. Ergebnis war nicht nur die Gleichberechtigung von Wasserwirtschaft und touristischer Entwicklung. Alle Seen blieben auch öffentlich zugänglich, da die Ufergrundstücke bis heute nicht in Privatbesitz sein dürfen.

Wandern, Baden, Wassersport, Natur, Kultur – das Fränkische Seenland lässt (fast) keine Wünsche offen © FrankenTourismus/NFS/Hub

Die Rechnung ist aufgegangen. Gab es im Jahr 1987 rund 350.000 Übernachtungen, waren es im Jahr 2017 über eine Million. So richtig voll wird es aber trotzdem nicht, die Besucher verteilen sich recht gut über die verschiedenen Seen. Denn es gibt nicht nur Natur zu bestaunen. Auch wer ein bisschen Outdoor, Sport und Action sucht, wird hier fündig. Für mich lief diese Reise ins Fränkische Seenland in dieser Hinsicht unter dem Motto „Was Sie noch niemals ausprobieren wollten, nun aber doch tun“.

Action und Abenteuer im Seenland

Eine Segway-Tour zum Beispiel. Ich gehe ja eigentlich lieber zu Fuß. Aber nun stehe ich doch tatsächlich mit einem Helm bewehrt auf einem kleinen Parkplatz am Altmühlsee und lausche etwas skeptisch der Einweisung. Nach vorne lehnen bedeutet Gas geben, nach hinten bremsen. Verlagerung im richtigen Moment lautet das Zauberwort. Wir üben das Auf- und Absteigen, kurven kichernd ein bisschen auf dem Parkplatz herum, dann geht es los. Und ich muss sagen: Es macht Spaß. Da kommt doch glatt das Kind wieder in einem durch.

Unterwegs mit dem Segway: Muss ich zwar nicht jeden Tag machen, hat aber wider Erwarten viel Spaß gemacht

Am Igelsbachsee geht dieses Kind aber kurz in Deckung. Seeüberfahrt per Zipline klang super. Nun stehe ich aber voll ausgerüstet unter einem SEHR hohen Baum und starre auf die Plattform im Wipfel. Und auf die Sprossenleiter, die hinauf führt. Ich hatte nämlich nicht daran gedacht, dass das Abenteuer ja in gewisser Höhe startet und ich diese erst einmal erreichen muss. Meine nur halbwegs überwundene Höhenangst kriecht aus ihrer Verbannung empor und lässt mein Herz einen Tick schneller schlagen.

Nix da, denke ich, du kletterst jetzt da rauf. Ich versuche nicht hinunterzusehen und von Sprosse zu Sprosse wächst mein Selbstvertrauen. Ein kleiner Schockmoment, als ich von der Leiter auf die Plattform klettern muss, dann werde ich auch schon eingehakt. Noch eine kurze Erläuterung für die Landung in der Sägespäne am anderen Ende der Zipline, dann stoße ich mich ab und schwebe über den See. Elegant ist bestimmt anders, aber der Spaßfaktor ist nicht zu unterschätzen. Die Aussicht auf den See auch nicht.

Ja, wo fliegen sie denn? © FrankenTourismus/NFS/Hub

Fränkisches Seenland: Tipps und Infos

Vogelinsel Altmühlsee: In der Umweltstation des LBV gibt es eine kleine Ausstellung, hier starten auch die geführten Touren.

Segway-Touren: more4fun in Gunzenhausen bietet geführte und Individual-Touren an

Ein bisschen Quatsch machen muss auch sein: Starlight Express mit Segways…

Kletterpark und Zipline: Im Abenteuerwald in Enderndorf könnt ihr klettern und „fliegen“. Achtung: Die Seeüberfahrt per Zipline ist nur noch in Kombination mit dem Kletterpark möglich.

Übernachtung: Wir waren im Posthotel Arnold untergebracht. Ein schöner alter Gasthof in Gunzenhausen am Altmühlsee.

Zur Stärkung: Das Restaurant Zum Hochreiter in Spalt/Enderndorf hat nicht nur leckere fränkische Küche, sondern auch eine Terrasse mit einem fantastischen Blick auf den Großen Brombachsee.

Extratipp: Wer sich gerne sanft in den Schlaf schaukeln lässt oder einfach mal eine etwas andere Unterkunft sucht, kann sich im Floating Village einbuchen. Die schwimmende 4-Sterne-Ferienhaussiedlung auf dem Großen Brombachsee wurde im September 2018 eröffnet.

Kombi-Tipp: Ein Ausflug ins Fränkische Seenland lässt sich gut mit einem Besuch des Naturparks Altmühltal kombinieren, wo ihr unter anderem Dinosauriern auf die Spur kommen könnt.

Diese Recherche wurde mir ermöglicht durch die Unterstützung von Franken Tourismus.

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