Ein verrückt-perfekter Reisetag in Panama

Was ist ein perfekter Reisetag? Nun für mich ist es einer, an den ich mich so gut erinnern kann, als wäre es gestern gewesen. Vielleicht, weil ich mich an diesem Tag von übelstem Wetter nicht habe unterkriegen lassen oder weil er so überraschend war und vollgespickt mit tollen Eindrücken und Erlebnissen.

Beides vereint mein Ausflug in den Nationalpark Coiba (Achtung, wird nicht wie im Spanischen üblich mit einzeln betontem O und I, sondern wie in  Koi ausgesprochen) vor der Pazifikküste Panamas. In einem kleinen Motorboot ging es bei Sturm und heftigem Regen zwei Stunden lang von Puerto Mutis über das Meer bis zur Insel Coiba. Die „Crew“ José und Luis sowie mein Guide für diese Tour, Gilberto, drehten sich immer wieder prüfend zu mir um, doch ich habe den peitschenden Regen und die auch noch den Rest von mir durchnässende Gischt tapfer und mit einem Lächeln ertragen. Gedacht habe ich: Oh Mann, wenn das Wetter jetzt so bleibt.

Kokosnuss im Nationalpark Isla Coiba

Doch das Wunder geschah: kaum erreichten wir die Inselchen des Nationalparks, hörte der Regen auf. Für mich gab’s dann gleich eine kleine Belohnung fürs klaglose Durchhalten. José steuert den Traumstrand einer dieser Inseln an. Wir steigen aus und Luis sprintet gleich davon. Ich habe „wo will der denn hin?“ noch nicht einmal zuende gedacht, da ist er schon auf eine der vielen Palmen geklettert und schlägt eine Kokosnuss herunter. Wieder am Boden, zack, zack, zwei feste Hiebe mit der Machete und schon ist er fertig, der köstlich kühle Drink. Lecker.

Den habe ich nicht auf die Palme gebracht. Luis ist ganz freiwillig raufgeklettert und hat für mich eine Kokosnuss gepflückt

Gar nicht so einfach, aber lecker

Kleine Regenwaldwanderung

Als ich am nächsten Morgen aufstehe, scheint nicht die Sonne. Das liegt aber nur daran, dass sie noch nicht aufgegangen ist. Ich bin in aller Herrgottsfrühe mit Ranger Alex zu einer kleinen Wanderung durch den Regenwald verabredet. Wir kraxeln über einen schlammigen Weg den Hügel hinauf und als wir oben ankommen, ist die Sonne hinter uns schließlich aufgegangen.

Wir sind schon länger unterwegs, nun schließt sich die Sonne uns auch an

Es dauert nicht lange und wir hören bekannte und willkommene Laute. Ein kehliges HuHuHuHu schallt uns aus den Bäumen vor uns entgegen: Brüllaffen. Oft versuchen Leute, mit ähnlichen Lauten die Brüllaffen zu provozieren. Alex warnt davor, es damit zu übertreiben: „Ärgert man sie zu sehr, pinkeln oder kacken sie einem auf den Kopf.“

Oh, wieder diese Menschen

 

Klar, wer hier der Chef ist. Und meine Kamera schwächelt angesichts der hohen Luftfeuchtigkeit

Die Luft ist noch vom gestrigen Regen gesättigt, die Feuchtigkeit schlägt sich überall nieder: auf meinen Haaren, meinem Gesicht, meinem T-Shirt – und meiner Kamera. Die Linse beschlägt immer wieder, ich mache ein paar Fotos, dann gebe ich auf und packe die Kamera lieber in den Rucksack. Wir wandern weiter, Alex zeigt mir unzählige Vögel und Vögelchen, deren Namen ich vergessen habe. An einer freien Stelle bleibt er stehen und lauscht. Dann zeigt er nach oben in den Himmel: Wir haben Glück, ein Pärchen Roter Aras fliegt genau über uns hinweg. Die bedrohten Papageien brüten in Panama nur noch hier in diesem abgeschiedenen Nationalpark.

Schnorcheln mit Whalewatching

Nach meinem Ausflug in den Regenwald bin ich hungrig und freue mich aufs Frühstück. Doch José drängelt: für mich steht eine Schnorcheltour an. Ein anderes Boot hat Buckelwale gesehen, sagt er, die sollen wir nicht verpassen. Also schnell ein paar Happen gegessen, rein in den Badeanzug, Schnorchelausrüstung, Kamera geschnappt und rein ins Boot.

Die Inselchen des Parque Nacional Isla Coiba

Erst jetzt, ohne den Regen, erkenne ich so richtig, wie schön es hier ist. Das Meer ist gesprenkelt mit kleinen Inselchen, manche davon wie monumentale Pilzköpfe geformt. Alle, egal wie klein, sind mit dichtem Regenwald bewachsen. Von denen Walen ist jedoch nichts zu sehen. Also steuert José eine dieser Inselchen an. Wir gehen vor Anker und ich lasse mich in das türkisblaue Wasser gleiten. Es ist für mich immer wieder ein kleines Wunder. Schaut man in das Wasser hinein, ist nichts zu sehen. Doch taucht man dann ein, ist man plötzlich in einem bunten Unterwassergarten.

Als erstes fallen natürlich die bunten und recht großen Papageienfische auf. Doch überall flitzen bunte Fischchen zwischen den Korallen umher. Dann ändere ich gerade rechtzeitig die Richtung und sehe noch eine Meeresschildkröte davonschweben. Meine Faszination bleibt jedoch nicht ganz ungetrübt. Wie an vielen Riffen dieser Erde, sind manche der Korallen schneeweiß. Die Korallenbleiche zeigt sich nur sehr vereinzelt und ich kann nur hoffen, dass es nicht schlimmer wird.

Es bleibt noch ein bisschen Zeit für ein kleines Picknick am Strand. Aus dem Augenwinkel bemerke ich nach einiger Zeit ein wildes Gewusel in der Nähe meiner Füße. Einsiedlerkrebse machen sich über ein Stückchen meiner Empanada her, das mir heruntergefallen war. Die kleinen Stinker kennen untereinander keine Gnade, es wird geschubst und gedrängelt was das Zeug hält.

Einsiedlerkrebse bei wildem Gewusel

Auf der Rückfahrt bewegt sich plötzlich links von uns etwas im Wasser. Es ist eine Schule Pilotwale, die ihrer Wege zieht. Jedoch nicht ohne uns einen Besuch abzustatten. Denn José ist da ganz vorbildlich: WIR halten Abstand.

Da sind sie. Wo ein Pilotwal ist, gibt es auch noch mehr.

Und sie kommen auch gleich mal gucken…

Als wir wieder anlanden, bin ich glücklich und zufrieden. Doch es wartet schon die nächste Überraschung. Da ich momentan die einzige Besucherin bin, ist das Wissenschaftscamp, in dem ich auch übernachtet habe, nahezu menschenleer. Das haben nun die Tiere übernommen. Bei unserer Ankunft tummeln sich dort Kapuzineräffchen, Agoutis und Geier, ein Reiher schreitet gelassen den Weg ab.

Die Tiere übernehmen…

Die Kapuzineräffchen verdrücken sich bald in den Wald, doch ein Agouti und ein Geier stehen mir für ein Porträt bereit.

Hier mal gar nicht scheu: Agouti

Schönheit liegt ja immer im Auge des Betrachters.

Doch noch Buckelwale?

Es ist total ruhig, nur ein paar Vögel zwitschern leise in den Büschen. Doch damit ist es schnell vorbei. Ich will mir gerade in der offenen Küche einen Kaffee einschenken, als ich laute Rufe höre: „Susann, Susann, venga!“ Ich fühle mich angesprochen, da ich auf Reisen oft meinen Zweitnamen nutze. Der ist für die Leute vor Ort leichter zu merken – egal ob im englisch- oder spanischsprachigem Raum. Also renne ich zurück Richtung Ufer, José und Luis wedeln wild mit den Armen: „Ballena!“. Ich verstehe, ändere die Richtung und laufe in mein Zimmer, um die Kamera zu holen. Auf dem Rückweg treffe ich Gilberto, ohne weiter zu fragen, springen wir ins Boot. Es wurde wieder ein Buckelwal gesichtet, dieses Mal mit genauerer Position.

Und da ist er auch. Dümpelt fast bewegungslos im Wasser. Wir sehen nur den Rücken, hören das Schnaufen und Prusten, wenn das Wasser in einer Tröpfchen-Fontäne aus dem Blasloch schießt.

Baumstamm? Nein, Buckelwal

Doch dann wird uns klar: das ist nicht ganz richtig. Denn es ist kein „Er“, es ist eine „Sie“. Und sie ist nicht alleine. Ihr Kalb ist nur zu erahnen. Hin und wieder können wir das Köpfchen sehen oder den kleinen Blas. Dann taucht die Mutter ab und der oder die Kleine tut es ihr nach.

Der Baby-Buckelwal taucht ab

Weg sind sie wieder. Es waren keine spektakulären Bilder, mit riesigen Fluken oder Sprüngen. Doch diese Harmonie und Friedlichkeit hat uns alle bewegt. Wir sind auf der Rückfahrt ganz still.

Luis, der auf dem Dach des Bootes sitzt, fängt jedoch plötzlich ganz aufgeregt an zu rufen: „Ballenas, Ballenas!“ Wir springen auf, suchen den Horizont ab. Doch nichts zu sehen. Ich schaue noch oben und sehe, dass Luis nach unten zeigt. Ins Wasser.

Ich schaue also über die Reling und sehe die beiden Buckelwale, Mutter und Kind, aus der Tiefe direkt auf uns zukommen. Es sieht so aus, als würden sie mich direkt ansehen. Von diesem Anblick kann ich mich kaum losreißen. Ich versuche noch ein Foto zu machen und denke dann: Nein! Das musst du erleben!

Mehr zu erahnen: unser Buckelwal kurz vorm auftauchen

Nur wenige Meter neben uns tauchen sie auf. Ist das Zufall? Sind die beiden uns gefolgt? Wenn ja, warum?

Statten Mutter und Kind uns einen Besuch ab?

Die Antwort werde ich nie erfahren. Doch mein Herz ist weit und ich verdrücke mehr als nur ein Tränchen. Zum Glück gibt es Sonnenbrillen.

Tschüss und alles Gute!

Mein verrückt-perfekter Tag. Ich war im Regenwald wandern, habe Affen und Vögel beobachtet, war Schnorcheln, habe Pilotwale und schließlich auch Buckelwale nicht nur gesehen, sondern sogar sozusagen hautnah erlebt. Ein ganzer Tag voller Eindrücke – dabei ist es erst 10 Uhr morgens! Früh aufstehen lohnt sich also doch manchmal ;-).

Nun ist auch Zeit für ein ausgiebiges Frühstück. Selbst José hat nichts dagegen. Wir sitzen alle zusammen und kommen vor allem immer wieder auf den Moment, als die Buckelwale neben uns aus der Tiefe aufgetaucht sind. Ein Tag, den ich garantiert nie vergessen werde.

Dieser Ausflug wurde mir möglich gemacht von Visit Panama.

Dieses ist mein Beitrag zur Blogparade von Sabine Olschners Blog Ferngeweht anlässlich dessen vierten Geburtstags. Herzlichen Glückwunsch!

4 Kommentare

    • Gerne. Ja, es war ein sehr eindrücklicher Tag – obwohl, eigentlich ja nur ein eindrücklicher und erlebnisreicher Morgen. Auf jeden Fall unvergesslich…

  1. Pingback: Ein perfekter Tag: Blogparade zum Geburtstag | Ferngeweht

  2. Das klingt wirklich spannend! Ich plane gerade auch eine Reise nach Panama und Coiba hatte ich eigentlich ausgeklammert. Nun muss ich darüber doch noch einmal nachdenken.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.