Tierische Charakterköpfe – Moschusochsen im Dovrefjell

Sie wirken ein bisschen, als kämen sie aus einer anderen Zeit. Das lange Zottelfell, der massive Körper und die dicken, nach außen gedrehten Hörner machen Eindruck. Dabei sind Moschusochsen im Prinzip erst einmal friedliche Gesellen. Und mit Schafen und Ziegen verwandt: Der wissenschaftliche Name lautet Ovibos moschatus und Ovibos bedeutet Schafochse…

Als die Einladung zur Pressereise nach Fjellnorwegen bei mir eintrudelte, habe ich nur eines gelesen: Moschusochsensafari. Und schon war es um mich geschehen. Da musste ich hin. Alles andere war mir in dem Moment egal. Im Dovrefjell gingen wir dann mit unserem Guide Terje auf die Pirsch. Wir übrigens alle in Fleecepulli mit Jacke und Terje ganz norwegisch im T-Shirt.

Erstmal gab es Anweisungen: Ruhig bleiben und Abstand halten, wenn wir den Moschusochsen begegnen. Soweit die Theorie. Wir stapften los und es dauerte nicht lange, bis Terje uns auf einen Hügel hinaufwinkte: eine Herde Moschusochsen, ein bisschen weit entfernt, aber es gibt ja Ferngläser. Ich jedenfalls war schon mal zufrieden.

Moschusochsen Dovrefjell

Ist da jemand? Auf der Suche nach den Moschusochsen

Doch es ging noch besser: Hinter einer Hügelkuppe standen plötzlich zwei junge Männchen direkt vor uns mitten auf dem Weg. Da schlich sich dann doch vor den zwar nur 1,30 Meter hohen, aber bis zu 400 Kilogramm schweren Kolossen ein gewisser Respekt ein. Für die Tiere gilt das weniger: «Angst haben die nur vor den Überschallflugzeugen, die diese Gegend manchmal überqueren, und Respekt nur vor Hunden», wusste Terje zu berichten. Wir standen still, die beiden Jungs trollten sich und knabberten 20 Meter entfernt an Birken rum.

Moschusochse Dovrefjell

Dass man hier nie weiß, was hinter der nächsten Hügelkuppe wartet, hatte ich mir dann gemerkt. Und so trollte ich mich vom Picknick mit Kartoffelsalat, Speck und Elchwurst (ich hatte nur Kartoffelsalat, war aber lecker) um mal einen Blick zu riskieren. Der offenbarte, dass wir nicht allein waren: eine größere Herde Moschusochsen zog vorbei. 16 Tiere inklusive drei Kälbern, die fröhlich zwischen den Großen herumtollten. Mehr geht nicht.

Und hier ein Moschusochsen-Suchbild – bin heute noch ein bisschen stolz, dass ich sie entdeckt habe und nicht einfach umgekehrt bin…:

Moschusochsen Dovrefjell

Später dann ein ganzes Stück näher dran:

Moschusochsen Dovrefjell

Moschusochsen sind keine Fluchttiere. Droht Gefahr, stellen sie sich zur Verteidigung in einer Linie auf. Um ihre Jungen bilden sie zum Schutz einen Kreis. Friedfertige, tapfere und mutige Tiere. Doch gegenüber dem Menschen wurde ihnen dieses Verhalten zum Verhängnis: sie wurden fast bis zur Ausrottung gejagt und abgeschlachtet.

Auch das Dovrefjell gehörte lange nicht mehr zu ihrem Lebensraum. 1931 wurden erstmals zwölf Kälber aus Grönland dort angesiedelt. Den Krieg haben diese Tiere jedoch nicht überlebt, aber nach dessen Ende wurde mit Erfolg ein weiterer Versuch gestartet. Heute leben rund 300 Moschusochsen im Dovrefjell. Doch leider ist diese Population immer noch zu klein, um den Bestand zu sichern. Aber es gibt Hoffnung.

Infos: Nationalpark Dovrefjell – Sunndalsfjella, Dovrefjellrunden. Gute Ausgangsorte für eine Moschusochsensafari sind Dombas, Hjerkinn und Oppdal.

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