Paradiesische Grenzerfahrungen

Traumpanorama im Great Limpopo Transfrontier Park ©Regina Fischer-CohenEin einzigartiges unverfälschtes Naturschauspiel im Norden des Krüger Nationalparks ©Regina Fischer-Cohen

Die Luft ist noch immer heiß und erfüllt vom Gesang der Glanzstare, Spinte und Pirole und von unzähligen anderen gefiederten Sängern. Ein sanfter Fahrtwind trägt dazu den würzigen Duft von wildem Salbei an meine Nase heran. Im letzten Abendlicht, das rosarot und ätherisch anmutend vom Himmel strahlt, wirkt das Ganze wie eine halluzinogene Droge aufs Gemüt.

Die perfekte Szene für den Sundowner

Baobabs in Love ©Regina Fischer-Cohen

Selig eingelullt fängt sich mein Auge in den uralten, sagenumwobenen Affenbrotbäumen, die wie mollige Riesen aus dem nachtdunklen Scherenschnitt der Flussrandwälder emporragen. Doch da zerreißt ein wütendes Trompeten jäh meine Träumereien. Äste bersten laut im Dickicht der Mopane-Bäume, und im nächsten Moment prescht hinter uns ein Elefant hervor.

Baobabs bzw. Affenbrotbäume im Norden des Krüger Nationalparks

Zebras grasen friedlich vor mächtigen Baobab Bäumen ©Regina Fischer-Cohen

„Keine Panik!“, beruhigt Mike, der es sich als Manager der „Outpost Lodge“ im südafrikanischen Krüger Nationalpark nicht nehmen lässt, seine Gäste ab und an persönlich auf Safari zu führen. Souverän erklärt er mir, dass ein Dickhäuter, der wirklich angreifen will, seinen Rüssel schützend zur Seite legen würde.

Die Sprache der Elefanten

Klares Signal von einem verärgerten Elefanten: Keinen Schritt weiter! Für den Besucher heißt es jetzt, Ruhe bewahren, mucksmäuschenstill ausharren und dann langsam den Rückzug antreten ©Regina Fischer-Cohen.jpg

Der kräftig gebaute Bulle jedoch, der jetzt mit ungeahntem Tempo hinter uns herhetzt, hält seinen ganz locker nach vorn. Die Frage ist nur: Wie lange noch? Und ganz ehrlich – wen interessiert‘s, wie der Rüssel hängt, wenn einem gut sechs Tonnen in Wallung geratenes Lebendgewicht auf den Fersen sind? Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, denn ich wollte ja unbedingt wieder auf der erhöhten Rückbank sitzen. Hätte doch schließlich sein können, dass auf der Fahrerseite tolle Fotomotiv auftauchen, und vom Beifahrersitz aus wäre Mike mir dann ständig im Bild gewesen.

Büffelherde in der Flussebene von The Outpost ©Regina Fischer-Cohen

Büffelherde in der Flussebene des Makuleke Konzessions Park ©Regina Fischer-Cohen

Eigentlich clever durchdacht. Doch jetzt, wo mir mein Traummotiv förmlich im Nacken klebt, will ich nur noch schnellstens weg. Zum Glück scheint Mike das ähnlich zu sehen, denn er treibt unseren offenen Geländewagen binnen Sekunden auf Hochtouren. Und so jagen wir nun im Affentempo einen überwucherten Pfad entlang. Hellwach und aufgeputscht vom Adrenalin, das durch unsere Adern schießt.

Baobabs bzw. Affenbrotbäume

Viele Afrikaner halten die Baobabs für den Wohnsitz von Geistern und Göttern. Einer Legende nach hat der Teufel diesen Baum einst aus dem Boden gerissen und anschließend verkehrtherum eingepflanzt ©Regina Fischer-Cohen.jpg

Wenn es so etwas wie einen Garanten für die Begegnung mit Südafrikas imposanten „Big Five“ gibt, dann ist es der berühmte Krüger Nationalpark. Über 1,5 Millionen Besucher pro Jahr sprechen  für sich. Doch nicht jedem dürfte die Vorstellung gefallen, sich Stoßstange an Stoßstange auf geteerten Trassen vorankämpfen zu müssen, um dann mit Dutzenden Pkw und Bussen um einen dösenden Löwen herumzustehen. Leider ist das im südlichen Teil des Parks in der Hauptsaison oft der Fall. Ein echter Geheimtipp ist dagegen die Makuleke-Region, die sich im äußersten Norden  an der Grenze zu Mosambik und Simbabwe nahezu unberührt präsentiert sich .

Walking-Safari - Allein auf weiter Flur in der Wildnis

Walking Safari im Reich der Wildtiere – ein atemberaubendes Erlebnis ©Regina Fischer-Cohen.jpg

Mit dem mächtigen Limpopo als Grenzfluss im Norden und dem Luvuvhu im Süden war das 24. 000 Hektar große Areal jahrzehntelang militärisches Sperrgebiet. So konnte sich eine paradiesische Flora und Fauna entwickeln – mit einer Biodiversität wie man sie sonst fast nur noch in Zentralafrika findet. Vor allem für Vogelliebhaber ist die Region ein Mekka. Seit 2002 geht der Krüger Nationalpark hier nahezu fließend in die Nationalparks von Mosambik und Simbabwe über. Gemeinsam bilden die drei nun den grenzüberschreitenden Great Limpopo Transfrontier Park, der zu den sogenannten Friedensparks gehört.

Der Limpopo als Grenzfluss im Dreiländereck

Malerische Flusslandschaft: Der Limpopo als Grenzfluss im Dreiländereck ©Regina Fischer-Cohen

Die Idee, die dahinter steckt ist so einfach wie genial: In diesen Gebieten werden alle politischen Grenzzäune entfernt,  sodass die Wildtiere ihre alten Migrationsrouten wieder aufnehmen können. Damit ist zugleich das Problem von Wirtschaftsflüchtlingen gelöst, denn ein Mensch muss schon sehr verzweifelt sein, um sich freiwillig in die Höhle des Löwen zu begeben. „Für Südafrikas Elefanten ist es auf jeden Fall eine Riesenchance“, versichert Mike, nachdem sich unser Verfolger mit  einem lautstarken Getröte zurück in den Busch geschlagen hat. Während sich die grauen Riesen weiter unten im Süden dermaßen vermehrt haben, dass der Platz für sie längst nicht mehr reicht, kann sich der Jungbulle hier noch austoben und getrost irgendwann mit einem Harem für Nachwuchs sorgen.

Die Makuleke Region - das Mekka für Birder

Gelbschnabeltoko am Luvuvhu Fluss ©Regina Fischer-Cohen

Um das Naturjuwel im Norden zu schützen, wurde der Zugang auf die wenigen Gäste der ansässigen Luxus-Lodges „The Outpost“ und „Pafuri Camp“ beschränkt sowie auf die Studenten des Makuleke Eco-Trainingscamps. Für Lieschen-Müller und Otto-Normalbürger bedeutet das, dass sie für diese Reise erst mal kräftig sparen müssen. Davon abgesehen, gibt es für die Besucher nur eine Hürde: Selbst vom nächstgelegenen Parkflughafen Phalaborwa steht einem eine lange und recht eintönige Anfahrt bevor. Doch es lohnt sich. Egal, wie sehr es den Körper bei der Ankunft in der „Outpost Lodge“ in die Waagerechte drängen mag, an Schlaf denkt hier zunächst keiner mehr. Dafür sind die zwölf Suiten einfach viel zu sensationell.

The Outpost Lodge

Room with a view – Schöner wohnen vom Feinsten ©Regina Fischer-Cohen

Auf hohen Stahlpfeilern gestützt, schwebt jeder Raum für sich allein in luftiger Höhe an einem Berghang. Rückseitig über einen 500 Meter langen Laufsteg mit der Lobby und den anderen Suiten verbunden und nur dorthin begrenzt durch eine Betonwand, die in ihrer Nüchternheit geradezu erschreckend wirkt. Doch das ist reines Kalkül. Der in Italien geborene Architekt Enrico Daffonchio hat bewusst auf edlen Minimalismus gesetzt, um der grandiosen Wildnis hier den ganz großen Auftritt zu überlassen.

The Outpost Lodge

Luxus pur: Bei einer Massage im Bett kann man Wildtiere beobachten oder einfach nur träumen ©Regina Fischer-Cohen

Einem Traum gleich, eröffnet sich beim Betreten der nach vorn und zu beiden Seiten vollkommen offen gehaltenen Suiten ein spektakuläres 180-Grad-Panorama. Der Blick schweift dabei weit über das bewaldete Luvuvhu-Flusstal hinweg zu einer malerischen Bergkette und reicht bis nach Mosambik hinein. Große Tiere wie Elefanten, Büffel oder auch Kudus lassen sich aus dieser genialen Perspektive sogar mit bloßem Auge ausmachen. So fühlt man sich geborgen und frei zugleich wie in einem Adlerhorst. Dem Himmel ganz nah, das Paradies direkt zu Füßen.

The Outpost im Norden des Krüger Nationalparks

The Outpost – spektakulärer Ausblick von den offen gestalteten Suiten ©Regina Fischer-Cohen

Halb sechs Uhr in der Früh. Das ferne Gebrüll der Löwen, das die Nacht durchdrungen hat, ist gerade erst verhallt, und schon erwartet mich Guide Gordon mit der wichtigsten Frage des Vormittags: Game Walk zu den Badeplätzen der Elefanten am Flussufer im Tal – oder Safari in Richtung Crooks Corner, wo sich in den Fluten des Limpopo stets zahlreiche Nilkrokodile und Flusspferde tummeln. Oder vielleicht doch lieber zur Lanner-Schlucht mit der atemberaubenden Bergkulisse, in der man mit etwas Glück einen Leoparden entdecken könnte? Dabei ist es eigentlich fast egal, wohin es geht, denn überall wandelt man hier auf einsamen Spuren dem Abenteuer entgegen.

Kruger National Park South Africa - Walking Safari ©Regina Fischer-Cohen

Walking Safari am frühen Morgen in der Flussebene ©Regina Fischer-Cohen

Südafrikas nördlichste Provinz Limpopo hat aber neben dem Park natürlich noch mehr zu bieten. Und da lockt vor allem ein Besuch bei den Makuleke, deren Dörfer gleich in der Nähe des Parkeingangs Punda Maria liegen. 1969 im Rahmen der Apartheidgesetze brutal aus ihrer Heimat hier im Nationalpark vertrieben, hatte man das Volk der Makuleke kurzerhand 100 Kilometer weiter südwestlich im damaligen Homeland der Venda-Bevölkerung zwangsangesiedelt. Doch das Leid dieser Menschen hat sich in eine echte Erfolgsstory gewandelt, nachdem ihnen ihr Land Jahrzehnte später wieder zugesprochen wurde.

Luvuvhu River in South Africa´s Kruger National Park

Ein einsamer Elefant am Luvuvhu Fluss, der in der Trockenzeit kaum noch Wasser führt ©Regina Fischer-Cohen

Damals waren sie weise genug, das Ganze als Teil des Nationalparks zu belassen. „Dafür profitieren wir jetzt als Privatverwalter von zehn Prozent des Gesamtumsatzes, den unsere Konzessionäre erwirtschaften“, erklärt Gibson Makuleke, der als enger Berater des heutigen Stammesführers an dem Kooperationsvertrag mitgewirkt hat. Der sieht vor, dass die Tourismusbetriebe nach 40 Jahren und intensivem Personaltraining in Stammesbesitz übergehen.

Cultural Tour im Norden des Krüger Nationalparks

Auf der „Cultural Tour“ lernt man u. a. die berühmten Töpferinnen der Makuleke kennen ©Regina Fischer-Cohen.jpg

Und die Zukunft sieht rosig aus. Seit dem Zusammenschluss der drei Nationalparks liegt das Konzessionsgebiet der Makuleke mitten im Herzen des  35 000 Quadratkilometer umfassenden Great Limpopo Transfrontier Park – dem größten Naturschutzgebiet des Kontinents. Die Möglichkeit, hier luxuriös und auf die Schnelle drei afrikanische Staaten bereisen zu können, hautnah die „Big Five“ zu erleben und dann am Indischen Ozean zu entspannen, ist einmalig und lockt vor allem Touristen mit größerem Budget an.

Soth Africa Cultural Tour in Makuleke

Ein Tänzchen mit Grandma: Guide Adel lädt uns während der Cultural Tour zu sich nach Hause ein ©Regina Fischer-Cohen.jpg

Für den verwöhnten Gaumen gibt es heute Abend zur Abwechslung mal knusprig frittierte Mopane-Raupen. Gibson lacht herzlich angesichts der irritierten Blicke seiner vier Gäste, die in diesem Moment, das weiß er, die exquisite Sterne-Küche der „Outpost Lodge“ herbeisehnen. Doch verhungern wird niemand hier an dem bunt gedeckten Tisch, den die Frauen des Makuleke-Dorfes für ihre Gäste in einer lauschigen Ecke ihres großen Festplatzes aufgebaut haben. Immer mehr Schüsseln mit afrikanischen Traditionsgerichten werden jetzt aufgefahren: Rindereintopf, scharf gebratene Hähnchenteile, Maispolenta, Okra …

Traumblick auf die Lanner Schlucht mit dem Luvuvhu River

Traumblick auf die Lanner Schlucht mit dem Luvuvhu River im letzten Licht des Tages ©Regina Fischer-Cohen

Malerisch wie ein Bühnenbild zeichnen sich dazu im Schein der Fackeln die mit Stroh gedeckten traditionellen Rundhütten des Dorfes ab. Kein Zweifel – auf dieser abenteuerlichen Reise erlebt man tatsächlich noch ein Stück vom echten, unverfälschten Afrika.

————————————————————-

Mein Dank geht an  SOUTH AFRICAN TOURISM  und  SOUTH AFRICAN AIRWAYS, die diese Reise für mich gesponsert haben. Die Reisereportage, die ich dazu geschrieben habe, wurde im Wochenendteil der Zeitung „die Welt“ veröffentlicht.

INFO:  South African Tourism, Tel.: 0800 – 118 91 18

Hier kannst du die Region auf Google Maps betrachten und deine Urlaubspläne schmieden

BESTE REISEZEIT: Die Jahreszeiten verlaufen in Südafrika gegensätzlich zu unseren. Das Klima in der Region rund um den Krüger Nationalpark ist vor allem tropisch geprägt. Grundsätzlich ist es ein reizvolles Ganzjahresziel. Für Safaris eignen sich aber die angenehm temperierten, trockenen Monate von Juni bis Oktober am besten, weil die Sichtung der Tiere dann aufgrund der vertrockneten Vegetation einfacher ist. Die regenreichste und heißeste Zeit erlebt man im südafrikanischen Hochsommer von Dezember bis Februar. Dann besteht eine erhöhte Malariagefahr.

EINREISEBEDINGUNGEN: Deutsche, Österreicher und Schweizer benötigen für die Einreise nach Südafrika nur einen maschinenlesbaren Reisepass, der zwei freie Seiten für Sichtvermerke enthält und noch mindestens 30 Tage über die Ausreise aus Südafrika hinaus gültig sein muss. Anerkannt wird auch ein vorläufiger maschinenlesbarer Reisepass. Bei Ankunft erhält man dann ein sogenanntes »visitor’s permit«, das in der Regel für maximal 90 Tage gilt.

ANREISE: Mit South African Airways (www.flysaa.com) geht es bequem von Frankfurt über Johannesburg bis nach Phalaborwa, dem nächstgelegenen Flughafen zur Makuleke Region. Von dort fährt man mit dem Auto nochmals rund 5 Stunden bis zur „Outpost Lodge“.

South African Airways, kurz SAA

Eine Maschine der South African Airways am Flughafen von Phalaborwa ©Regina Fischer-Cohen

GESUNDHEIT: Keine Impfungen vorgeschrieben. Empfehlenswert ist Impfschutz gegen Tetanus, Polio und Hepatitis. Unverzichtbar sind ein guter  Sonnenschutz und ein starkes Repellent. Das Malariarisiko ist nur in den regenreichen Sommermonaten hoch. Informiert euch bitte vorab beim Tropeninstitut. Eine Malaria Prophylaxe bekommt man vor Ort in jeder Apotheke. Weitere Infos findet ihr in unserem Blog unter die Reiseapotheke

UNTERKUNFT: The Outpost Lodge, Tel.: +27 13 735 8907 – Suite ab 500 Euro inklusive drei Mahlzeiten, zwei Safaris und  Game-Walk. Pafuri Camp, Tel.:+27-11-646 1391 Luxus-Safari-Zelt ab 500 Euro inklusive drei Mahlzeiten, zwei Safaris und Game-Walk. Authentisches Busch-Feeling erlebt man mit allen Vor- und Nachteilen im wenige Kilometer vom Krüger Nationalpark entfernten Pafuri River Camp (nicht zu verwechseln mit dem luxuriösen Parfuri Camp !!!)  Einfaches Zelt aus Plastik ohne A/C um € 60

RANGER TRAINING: Hast du Lust, dich einmal als Ranger zu erproben? Im  Makuleke Konzessions Trainingscamp ist alles möglich: von 7-tägigen Schnupperkursen (mit diversen Schwerpunkten wie  Spurensuche, Vogelbeobachtung, Fotografie oder Wildnis)  über den 55-tägigen Ranger-Grundkurs bis hin zur 12monatigen Profi-Ausbildung. SafariFrank bietet zahlreiche Aktivitäten in Afrika und vermittelt darüber hinaus provisionsfrei Plätze für das Camp.

2 Kommentare

  1. Annette Bokpe

    wie immer ist auch diese Reportage mehr als lesenswert. Die Bilder – ob mit Fotoapparat oder mit Worten – ziehen mich wieder nach Afrika……

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.