Air Berlin – die Insolvenz und das Bauchgefühl


Air Berlin hat Insolvenzantrag gestellt - hätte ich mal auf mein Bauchgefühl gehört ©www.fotografie-wiese.de

Eigentlich wollte ich gestern nur mal kurz meine Mails checken. Beim Ausloggen ploppt das Magazin des Providers auf und darin die Meldung: Air Berlin meldet Insolvenz an. Ich starre auf den Bildschirm: echt jetzt?

Erst einmal durchatmen und Ruhe bewahren. Mein Bauchgefühl tanzt Samba und singt lauthals: „Hab‘ ich doch gesahagt, hab‘ ich doch gesahagt!“

Auf der Air Berlin Homepage heißt es: airberlin stellt Insolvenzantrag | Der Bund hilft | airberlin fliegt planmäßig weiter – mein Bauchgefühl ist davon allerdings erstmal nicht besonders beeindruckt.

Ich habe vor einigen Wochen bei Air Berlin einen Flug gebucht. Für November. Auf die Seychellen. Ich wollte es bequem, die Flugtage und -zeiten sollten stimmen und bei der Air Berlin-Verbindung passte alles zusammen. Früh morgens ankommen (ganzer Tag vor Ort), später Rückflug (ganzer Tag vor Ort) und das Ganze ab Berlin, was von Hamburg aus mit der Bahn gefühlter Nahverkehr ist. Super, dachte ich.

Mein Bauchgefühl war da etwas anderer Ansicht: Du hast doch gelesen, was bei Air Berlin so los ist, mäkelte es herum. Was, wenn die dichtmachen? Ach, du Weichei, höhnte mein Gehirn, da steht doch Etihad dahinter, die werden schon nicht am Boden bleiben. Und, zack, schoss mein Zeigefinger auf den „Jetzt kaufen“-Button. Dabei bin ich eigentlich ein totaler Bauchgefühl-Fan.

Was Insolvenz bedeutet, weiß ich, seit ich mal als freie Journalistin mit festem Vertrag für eine Nachrichtenagentur gearbeitet habe, die dann in die Insolvenz ging: das Geld ist weg! Meine offenen Rechnungen blieben damals unbezahlt. Viel schlimmer war jedoch, dass mir ein Einkommen, mit dem ich fest rechnen konnte, von jetzt auf gleich einfach weggebrochen ist. Und das ging ja nicht nur mir und anderen freien Journalisten so. Auch die Festangestellten hatten praktisch über Nacht ihren Job verloren.

Und die Parallelen zu Air Berlin gehen noch viel weiter. Während Angestellte, freie Mitarbeiter oder Zeitarbeiter versuchten, unter schwierigen Bedingungen das Beste zu geben, war man im Management eher beratungsresistent und arrogant. Und in beiden Fällen hat der Investor ganz unvermittelt den Geldhahn einfach zudreht.

Wer jetzt ordentlich auf „Air Berlin“ einkloppt und mit Häme überschüttet, sollte daran denken, dass auch Menschen dahinter stehen. Denn es trifft unfairerweise auch die Mitarbeiter, von denen vielleicht nicht alle, aber doch die meisten versucht haben dürften, bestmöglich mit dem Chaos umzugehen. Und die jetzt vielleicht ihren Job verlieren.

Ganz egoistisch bin ich erstmal froh über den Überbrückungskredit. Der Flugbetrieb sei so bis November gesichert. Mein Flug ist am 01.11.2017. Die Lage ist also ernst, aber nicht hoffnungslos. Einen Ersatzflug zu kaufen, könnte ich mir allerdings nicht leisten. Für mich und viele andere mit einem Flugticket bleibt jetzt nur abwarten und hoffen. Lufthansa, bitte übernehmen Sie!

Die Anse Royale auf Mahe – hier ist eine meiner gebuchten Unterkünfte, La Villa Therese, seufz – ©Seychelles Tourism Board

PS: Diesen Text wollte ich eigentlich gestern schon schreiben. Doch dann zog über Hamburg ein heftiges Gewitter auf und mein Bauchgefühl so: Du weißt doch, was da so passieren kann bei Laptop-Nutzung während eines Gewitters…

 

2 Kommentare

  1. Ich drücke Dir ganz fest die Daumen, dass alles gut geht und Du einen unvergesslichen Urlaub mit entspanntem Hin- und Rückflug hast.
    Freue mich schon jetzt auf die Bilder und Geschichten.

    • Danke, so wie es aussieht, kann ich ein bisschen Daumendrücken gut gebrauchen. Das ist für mich jetzt auch eine ganz neue Erfahrung: ich habe eine Reise organisiert, kann mich aber nicht darauf freuen. Dabei ist die Vorfreude für mich immer gaaanz wichtig…

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