Südafrika – Magisches Zululand

Kwa-Zulu-Natal, iSimangalesi Wetland ParkTraum-Biotop: Kosi Bay Mündung im Nordosten der Provinz KwaZulu-Natal ©www.dein-suedafrika.de

Zulu bedeutet Himmel, und in KwaZulu Natal ist es wie ein Versprechen. Paradiesische Natur mit wilden Tieren, einsame Strände und faszinierende Menschen garantieren in Südafrikas nordöstlichster Provinz himmlische Urlaubstage.

Das Knochenorakel hatte mir eine gute und eine schlechte Nachricht gebracht: Diese Reise würde meiner Seele Erfüllung bringen, nur sei der Weg leider mit ein paar Steinen gespickt. Für 35 Rand, also nicht mal vier Euro, hatte mir die Sangoma auf Durbans Hexenmarkt deshalb ein Muti angeboten. Ein magisches Kräuter- und Pulverdöschen. Sozusagen das Rund-um-sorglos-Reiseversicherungspaket von der Seherin und Medizinfrau. Doch ich hatte dankend abgelehnt und mich lieber noch am Duft der indischen Gewürze berauscht, die es auf dem angrenzenden Victoria Street Market in riesiger Auswahl zu kaufen gibt. Ich hätte es besser wissen müssen.

Südafrika, Zululand, Sangoma während einer Heilungszeremonie

Eine Sangoma (traditionelle Heilerin und Seherin der Zulu) bei einer Zeremonie in ihrer Hütte ©Regina Fischer-Cohen

Das Abenteuer im Zuckerrohrmeer

Nach zweistündiger Fahrt auf der Schnellstraße gen Norden liegt die quirlige Multikulti-Hafenstadt am Indischen Ozean eine gefühlte Ewigkeit zurück, und ich sitze mit zerfetztem Vorderreifen auf einer mörderischen Schotterpiste fest. Verloren in einem wogenden Meer aus Zuckerrohr, das sich im südlichen Zululand gierig in den einst kilometerbreiten tropischen Küstenwald hineingefressen hat. Kein Mensch, keine Ansiedlung weit und breit, und zu allem Übel zeigt mein Handy schon seit geraumer Zeit keinen Empfang mehr an. Da kommt leichte Panik auf. Doch ich habe Glück im Unglück, denn wenig später tauchen zwei Personen als winzige Punkte am Ende der Piste auf. Während sie sich mir langsam nähern, schlägt meine Freude allerdings gleich wieder in Panik um, denn ich erblicke zwei dunkle, staubverschmierte Typen, deren Hosen und T-Shirts mehr als zerschlissen sind. Und meiner Fantasie bleibt genug Zeit, die schlimmsten Horrorszenarien auszumalen. Brutaler Raubüberfall, Vergewaltigung, Mord. Man hört ja so viel, was einem alles passieren kann. Tatsächlich entpuppen sich die jungen Männer aber als wahre Retter in der Not, und ich schäme mich insgeheim für meine Vorurteile. Neben ihrer Muttersprache isiZulu sprechen die beiden sogar ein paar Brocken Englisch. Allerdings nicht genug, um meine Geschichte mit der Weissagung zu verstehen. Selber schuld, würden sie mir jetzt sonst vermutlich sagen, denn kaum ein schwarzer Südafrikaner hätte es wohl gewagt, die Warnung der Sangoma dermaßen zu ignorieren.

KwaZulu-Natal, Zulus and their traditional work in the field

Harte Knochenarbeit im Staub: Zulus bei der Feldarbeit ©Regina Fischer-Cohen

Zwischen Hexerei und Moderne

Mit der Querung des Tugela Flusses habe ich unmerklich ein altes Königreich betreten. Gut zwanzig Jahre nach dem Ende der Apartheid zeugt hier im einstigen Homeland der Zulus eine nahezu flächendeckende Kette von Spar-Supermärkten davon, dass die Moderne Einzug gehalten hat. Viele der traditionellen Rundhütten wurden von ihren Besitzern längst gegen statussymbolträchtige Steinhäuser eingetauscht, nicht selten auch gegen traurige Wellblechbehausungen. Was sich dieses Volk, das Anfang des 19. Jahrhunderts vom legendären König Shaka zusammengeführt wurde, jedoch bis heute bewahrt hat, ist der tiefe Glaube an eine Geisterwelt und an die Macht der Sangomas, das Schicksal zum Guten oder Schlechten wenden zu können. »Natürlich läuft unser Chief im Alltag nicht mehr im Leopardenfell herum, aber wenn’s drauf ankommt, orientieren wir uns nach wie vor an den alten Riten und Traditionen,« erklärt Jo, der dem Nxamalala Clan angehört und mich am späten Nachmittag im Museumsdorf »Shakaland« herumführt, wo er als PR-Manager arbeitet.

KwaZulu-Natal, traditionelle Kleidung der Zulu

Royaler Zulu-Chief mit Ehefrau in traditioneller Kleidung vor ihrem Rinderkraal ©Regina Fischer-Cohen

Zulu-Kultur hautnah im Shakaland

Ursprünglich als Kulisse für die TV-Doku-Serie »Shaka Zulu« erbaut, kann der Besucher hier in der Nähe von Eshowa hautnah in die Kultur der Zulus eintauchen. Fragt sich natürlich, wie viel Authentizität da vorhanden ist. »So viel, wie Du verträgst«, schmunzelt Jo und fügt im Nachsatz hinzu, dass dieses Tourismusprojekt sicher nicht so erfolgreich wäre, wenn die Gäste am Ende tatsächlich in der realen Welt eines Zulus übernachten müssten. Stimmt! muss ich kleinlaut eingestehen, als ich mich nach einem fantastischen Dinner recht früh in meine Hütte zurückziehe. Wildromantisch, im traditionellen Stil aus Gräsern, Rinden und Setzlingen zusammengebunden, wirkt sie wie ein gigantischer Bienenkorb, und auch das Interieur erstrahlt im schönsten Zulu-Design. Statt der üblichen harten Pritsche findet der Gast hier unter bunten Stoffen jedoch ein superkomfortables Bett.

South Africa Zulu woman infront of traditional hut

Zulu Frau vor einer traditionellen Hütte ©Regina Fischer-Cohen

Hoch zu Ross durchs Zululand

Selig eingekuschelt träume ich dort nun dem neuen Tag entgegen, während die übrigen Touristen sich noch an den dargebotenen Stammestänzen erfreuen. Es ist offensichtlich, dass das »Shakaland«-Konzept sehr gut ankommt. Für meinen Geschmack geht das Ganze allerdings ein bisschen zu weit in Richtung Disneyland. Deshalb verzichte ich am nächsten Morgen auch auf die dreistündige Zulu-Erlebnistour. Es zieht mich zurück ins wahre Leben. Hin zu dem kleinen Dorf, in dem meine edlen Retter mit dem reparierten Wagen bereits auf mich warten. Und sie haben noch eine Überraschung für mich: Ihr Nachbar, der eine kleine Pferderanch besitzt, lädt mich zu einem Tagesritt ein. Einfach unglaublich! Die Prophezeiung der Sangoma tritt damit nun tatsächlich auch in ihrer schönster Form ein.

Ausritt im Zululand, Südafrika

Hoch zu Ross durchs Zululand. Regy mit Reitstallbesitzer Spongiseni ©Regina Fischer-Cohen

Paradiesisches Abenteuerland am Meer

So hitzig, bunt und lebensfroh wie es rund um Durban und im Zululand zugeht, so still und weltentrückt präsentiert sich mir Tage später die unberührte Wildnis des iSimangaliso Wetland Parks im Norden der Provinz. Wunder oder auch Zauber bedeutet der Zulu Name des 332.000 Hektar umfassenden Schutzgebietes sinngemäß in der Übersetzung. Ein Dogma, das auf das spektakuläre Biotop, das 1999 zum Weltkulturerbe erklärt wurde und früher St. Lucia Wetland Park hieß, zutrifft wie kein anderes. Acht miteinander verbundene Ökosysteme bringen dort eine Artenvielfalt hervor, die sogar die des berühmten Okavango-Deltas in Botswana übertrifft. Taucher finden hier ein wahres Dorado vor der Rocktail und der Sodwana Bay, der Afrikas südlichste Korallenriffe vorgelagert sind. Und niemand sollte sich die malerische Fahrt zum Cape Vidal entgehen lassen, wo eine einzigartige Mischung aus Busch­- und Stranderlebnis wartet. Auf meine Frage, wo es  denn sonst noch besonders schön sei, breitet Gugu, ein Tierschützer vom Maputaland Turtle Project, nur demonstrativ die Arme vor mir aus. Was soll er angesichts der prachtvollen Naturstrände auch sagen, die sich entlang der Meeresschutzzone vom südlichen Maphelane über 220 Kilometer bis Kosi Bay an der Grenze zu Mosambik erstrecken? Vor allem für den Fortbestand der weltweit bedrohten, bis zu zweieinhalb Meter großen Lederschildkröten ist dieser Küstenstrich längst unverzichtbar geworden. Seit Urzeiten schon kehren die ausgewachsenen Weibchen dort im Sommer zur Eiablage an den Ort ihrer Geburt zurück.

South Africa, Indian Ocean, endangered Hawksbill turtle

Begegnung im Indischen Ozean: Ein Riesenexemplar der vom Aussterben bedrohten Karettschildkröte ©Regina Fischer-Cohen

Nervenkitzel zwischen Hippos und Kroks

Rund 1.500 Krokodile und 800 Flusspferde haben ihr Paradies dagegen im St. Lucia See gefunden, dem größten Flussmündungssystem im südlichen Afrika. Baden sollte man dort also besser nicht. Doch als Gugu am Nachmittag mit ein paar Freunden eine Kanutour organisiert, packt mich der Übermut. Ohne groß nachzudenken folge ich seiner Einladung und setze mich vorn zu ihm ins Boot. Was für ein Nervemkitzel, wenn man sich plötzlich nahezu auf Augenhöhe zwischen Hippos und Kroks bewegt. Hätte ich in diesem Moment allerdings die Geschichten schon gekannt, die sich die Jungs später am Abend in Fishy Pete´s Bar bei einem eiskalten Castle Lager erzählten – ich wäre allein schon vor Angst gestorben. Das spurlose Verschwinden eines Anglers, von dem nur noch die Ausrüstung am Seeufer gefunden wurde, haben sie einfach mit einem bedauernden Schulterzucken abgetan.»Klar, dass der Ärmste zum Krokfutter geworden ist. Passiert hier nun mal.«  Dass St. Lucia Estuary kein Ort wie jeder anderer ist, wird einem spätestens bewusst, wenn man auf dem Nachhauseweg am Abend hie und da ein paar schwergewichtige Hippos auf den Grünstreifen grasen sieht.  An Abenteuern fehlt es im iSomangaliso Wetland Park jedenfalls nicht. Drei große Seenplatten, 25.000 Jahre alte Dünen, Sümpfe, Wälder, Savannen und Bushveld bieten der afrikanischen Tierwelt  hier unendlich viel Raum und dem Naturfreund jede Menge Outdoor-Vergnügen.

KwaZulu-Natal, iSimangaliso Wetland Park, Flusspferdfamilie, Südafrika ©Regina Fischer-Cohen

Happy Hippos! Flusspferdfamilie im iSimangaliso Wetland Park, KwaZulu-Natal, Südafrika ©Regina Fischer-Cohen

Besuch beim Elefantenflüsterer

„Haltet eure Kameras bereit. Die Elefanten sind auf dem Weg zum Fluss. Da werden wir sie  gleich aus nächster Nähe sehen“, jubelt Françoise Malby-Anthony, nachdem ihr Ranger die Herde gerade erst an einem Hang in der Ferne ausgemacht hat. Nur zwei Autostunden von Durban entfernt, erwartet mich etwa auf der Hälfte des Rückwegs vom iSimangaliso Wetland Park noch ein ganz besonderes Highlight. Zwar ist die Sichtung von Elefanten auf einer Safari im Herzen des Zululandes nicht unbedingt außergewöhnlich, doch im Thula Thula Private Game Reserve ist es etwas anders. Als kurze Zeit später wie erhofft zwei stattliche Elefantenkühe mit ihrem munteren Nachwuchs im Wasser planschen, bricht unter den Touristen aus Großbritannien und den USA eine wahre Euphorie aus. Denn dies sind Nana und Frankie, jene Elefantendamen, deren ebenso tragische wie faszinierende Lebensgeschichte man in dem internationalen Bestseller »The elephant whisperer« nachlesen kann (s. auch Tipps / Lesestoff: Der Elefantenflüsterer). Hollywood hat sich die Filmrechte an dem Buch längst gesichert. Verfasst wurde es von Françoises verstorbenen Ehemann Lawrence Anthony, der als renommierter Umweltschützer und Bestsellerautor viele internationale Auszeichnungen erhalten hat.

Südafrika, KwaZulu-Natal, Thula Thula Private Game Reserve

Die berühmte Herde des Elefantenflüsterer auf dem Weg zum Fluss im Thula Thula Private Game Reserve ©Regina Fischer-Cohen

Royal Zulu – der Traum von der großen Freiheit

Die Geschichte hatte mit einem Anruf vor zwölf Jahren begonnen, als es im Reservat noch keine Elefanten gab. „Wollt ihr eine Herde bei euch aufnehmen?“, fragte eine Tierschutzorganisation. Der Haken: Die Tiere galten als extrem aggressiv und waren bei ihrem damaligen Halter etliche Male ausgebrochen. Jetzt drohte ihnen der Tod.  Obwohl sein Verstand abriet, zögerte Lawrence damals keine Minute. Was folgte, waren Wochen, in denen er mit seiner Elefantenherde in der Wildnis lebte und immer wieder sein Leben riskierte, um sie von ihren Ausbruchsversuchen abzuhalten. Schließlich gelang es ihm, zur Matriarchin, die er Nana getauft hatte, eine Vertrauensbasis aufzubauen. Und er fand heraus, dass Elefanten Fähigkeiten und Qualitäten besitzen, die Wissenschaftler kaum erfassen können. Letztlich erkannte Lawrence, dass Nana und ihre Schwester Frankie die ganze Zeit nur ein Ziel verfolgt hatten: Sie wollten ihre Kinder an einen sicheren Ort bringen und vor jenen Menschen schützen, die zuvor einige ihrer Familienmitglieder brutal abgeschossen hatten.

Thula Thuöa and its famous elephants

Elefantenparadies: Der Nachwuchs von Nana und Frankie beim Planschen am Fluss ©Regina Fischer-Cohen

Mit dem Thula Thula Private Game Reserve haben sie nun ihr Zuhause gefunden. Vielleicht wird es in ferner Zukunft irgendwann einmal  Royal Zulu heißen, denn das war Lawrences Traum: das größte, gemeinschaftlich geführte Reservat Südafrikas. Ohne Grenzzäune sollte es von Thula Thula bis in den angrenzenden Hluhluwe-Umfolozi Park hineinreichen. Die vertragliche Basis dafür hat Lawrence  noch zu Lebzeiten geschaffen. Für ihn war klar: »Wenn wir der Tier- und Pflanzenwelt nicht mehr Raum lassen, wird der Mensch bald selbst auf der Liste der bedrohten Spezies stehen.“ Jetzt müssen andere handeln, damit auch unsere Kindeskinder die Magie dieses Landes noch erleben können.

KwaZulu-Natal, Thula Thula Private Game Reserve ©Regina Fischer-Cohen

Thula Thula Private Game Reserve mit Besitzerin Françoise Malby-Anthony ®Regina Fischer-Cohen

Thula Thula Private Game Reserve, Elephant Safari Lodge

Thula Thula Elephant Safari Lodge: Tierischer Besuch am Morgen vor der Suite Imperial ©Regina Fischer-Cohen

 

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